Das Mädchen, das dem Islamischen Staat entkam und gegen Gewalt und Versklavung kämpft.
von Nadia Murad
Nadia Murad ist Jesidin. Sie lebte in einem kleinen Dorf im Irak, bevor der Islamische Staat ihr und ihrer Familie abgrundtiefes Leid angetan hat.
Wenn man nicht sagen kann, ob ein sofortiger Tod glücklicher wäre als das Überleben, dann geschehen Dinge, die ein Mensch ohne Schaden und Trauma nicht überstehen kann. Es kostet alles an Kraft für die Überlebenden überhaupt noch am Leben zu sein. Nadia Murad führt ein kämpferisches Leben, nicht weil sie will, sondern weil sie muss; da ihr Leben durch die erlittene Gewalt Kämpfen bedeutet. So lebt sie, indem sie sich für andere Menschen einsetzt, als Menschenrechtsaktivistin.
Nadia Murad meinte, sie hätte sich damals so gefühlt als wäre sie in der Gefangenschaft nicht mutig genug gewesen. Allerdings weiß sie auch, dass Opfer von Gewalt sich immer wieder die Vorwürfe machen, sich zu wenig gewehrt zu haben. Deshalb erklärt die Autorin den Lesenden wie schwierig es ist, sich als Opfer von massiver Gewalt keine Selbstvorwürfe zu machen.
Darüber hinaus ist es in der jesidischen Kultur sehr wichtig als unverheiratete Frau noch Jungfrau zu sein. Viele Jesidinnen hatten Angst, dass ihre Familie sie nach dem erlittenen Missbrauch, der ihnen angetan wurde, verstoßen würde.
Auch nach einer Befreiung kommt es manchmal noch dazu, dass manche von ihnen Suizid begehen.
Die eigene Geschichte immer und immer wieder zu erzählen reißt Wunden auch immer und immer wieder auf. Trotzdem hat es sich Nadia Murad zur Aufgabe gemacht, das Sprachrohr der Opfer von Kriegsverbrechen zu sein. Dieses Buch zu schreiben und es zu veröffentlichen, hat wahrscheinlich sehr viel Kraft gekostet. Ihre Stimme steht für die vielen tausenden Opfer des Islamischen Staates und darüber hinaus auch für alle Opfer sexueller Gewalt und die Opfer religiöser Verfolgung.
Ich wünsche mir, dass ihre Botschaft an die internationale Politik erhört wird. In der Hoffnung, dass sich Geschichte nicht wiederholt.