Kategorie: Allgemein
Sonne und Beton
Roman von Felix Lobrecht
Sonne und Beton ist spannend, liest sich gut und hat mich an manchen Stellen an meine Berliner Familie erinnert. Ich habe das Gefühl, dass Felix Lobrecht ein aufmerksamer Zuhörer ist und deshalb viel Menschenkenntnis besitzt. Die Dialoge der Charaktere beschreiben den jeweiligen Charakter echt gut. Es lässt sich anhand der Gespräche erkennen, ob ein Charakter aus Neukölln oder Ostberlin kommt, ob ein Charakter jugendlich oder Erwachsen ist und aus welcher Bildungsschicht und Klasse der-/diejenige kommt. Diese Charakterunterscheidungen nur aufgrund der Dialogart, durch das wie und was geredet wird, zu erreichen habe ich bisher noch in keinem deutschen Roman so ungezwungen gelesen.
Sonne und Beton wurde auch letztes Jahr verfilmt. Ich habe den Film noch nicht gesehen und werde das vielleicht diesen Sommer nachholen können.
Reserve
von Prinz Harry
Das Buch gibt eine hervorragende Auskunft über ein paar schöne Erinnerungen aus Harrys Leben, seinem beruflichen Werdegang im Militär und vor allen Dingen auch die Schattenseiten als Berühmtheit, dessen Leben von Geburt an im medialen Interesse benutzt wird.
Die deutlichste Botschaft aus Prinz Harrys selbstverfasster Biographie ist der Umgang der Medien mit den Mitgliedern der britischen Königsfamilie. Der Tod seiner Mutter Lady Diana hinterließ bei ihm ein Trauma, das er erst als Erwachsener in einer Therapie versucht hat aufzuarbeiten. Als die Medien Jagd auf seine Frau Meghan und ihre Familie machten, kam es zu einer Re-/Traumatisierung. Es war für Prinz Harry keine Option mehr, den Rat seiner Familie zu befolgen, einfach abzuwarten bis die Medien sich ein neues Opfer suchten. Es musste endlich öffentlich klargestellt werden, dass sie keine Beute sind die man jagen und abknipsen kann. Außerdem waren die Medien voller dreister Lügen und gewollter Übertreibungen und Fehlinformationen oder sie waren schlichtweg rassistisch.
So berichtet Prinz Harry in Teil 3 Kapitel 19 vom Anfang des Shitstorms gegen seine Frau Meghan:
„In jenen ersten Stunden und Tagen im November 2016 wurde alle paar Minuten ein neuer Tiefpunkt erreicht. Ich war schockiert und schalt mich dafür, dass ich es war. Und dafür, unvorbereitet zu sein. Ich hatte mich für den üblichen Wahnsinn gewappnet, für die gängigen Verleumdungen. Was ich jedoch nicht erwartet hatte, war das Ausmaß an hemmungsloser Verlogenheit.
Vor allem war ich nicht auf den Rassismus vorbereitet. Auf beide Arten, den versteckten, unterschwelligen Rassismus und den unübersehbaren, vulgären, grellen Rassismus.“ (Reserve S.369)
Sobald die Medien über jemanden berichten, glaubt man als Unbeteiligter: 1. ok die Story hier ist sehr privat, aber die Stars bekommen dafür ja auch was: Aufmerksamkeit und Geld. Klar brauchen sie dann rund um die Uhr Bodyguards aber das ist halt der Preis dafür reich und berühmt zu sein. Oder 2. :das klingt ja sehr an den Haaren herbeigezogen, aber dahinter verbirgt sich bestimmt ein wahrer Kern. — Dem ist hinzuzufügen, 1. Nein, kein Geld der Welt rechtfertigt es einen solchen öffentlichen Rufmord zu begehen und sich dadurch selbst zu bereichern und 2. Nein. Das meiste ist gelogen.
Harry und Meghan haben in ihrem Kampf um persönliche Sicherheit und Privatsphäre die britischen Titel abgegenen und das zu den für sie denkbar schlechtesten finanziellen Bedingungen. Sie haben dieses Ausmaß an Medienterror und Verleumdung nicht gewollt, sondern sich so gut es geht dagegen gewehrt.
Und was habe ich davon?
Warum es so wichtig ist, die Menschenwürde und die Grundrechte zu verteidigen.
In ein paar vorherigen Beiträgen habe ich darauf hingewiesen, dass es wichtiger ist die Menschenwürde zu verteidigen als Deutschland national zu unterstützen. Das erscheint erstmal logisch, aber es ist gar nicht mal so einfach zu erklären.
Was passiert, wenn wir versuchen einen Gedanken zuzulassen, den wir Linksgrünen auf gar keinen Fall wahrhaben möchten:
Was wäre, wenn es dem deutschen Staat durch die Deportation von einzelnen Bevölkerungsgruppen und mit der Versklavung von Geflüchteten im internationalen Wettbewerb wirtschaftlich tatsächlich besser geht als sich an die Menschenrechte zu halten? Wäre es nicht möglich, dass deutsche Bürger*innen durch die Unterdrückung von Migrant*innen und den Schießbefehl an der Grenze enorm profitieren könnten? Können wir angesichts der Klimakrise nicht viel mehr Deutsche retten, wenn unsere Politik für die Deutschen Politik macht und nicht für die Weltgesellschaft?
Das alles klingt schon sehr grauenvoll, aber vielleicht gibt es ja doch noch Vernunftargumente, wenn schon eine grundsätzliche Empathie in unserem Szenario völlig abhanden gekommen ist. Selbst wenn hier ein weiterer wirtschaftlicher oder Status erhöhender Vorteil entstehen kann, bin ich der festen Überzeugung, dass es der Bevölkerung in diesem Zukunftsszenario an Zufriedenheit fehlen wird.
Warum ist das anzunehmen?
- Weil schon jetzt in unserer postkolonialen Welt zwischen der Nord- und Südhalbkugel große konfliktbeladene Machtdifferenzen herrschen. Gesellschaften, in denen es die geringsten sozialen Unterschieden zwischen Reichen und Armen gibt, sind nachgewiesenermaßen die glücklichsten. Wenn wir es also schaffen durch Steuern und faire Preise in der Wirtschaft unseren Wohlstand aneinander anzugleichen, schaffen wir insgesamt bessere Lebensbedingungen.
- So wie ein System mit einer Arbeitskraft eines Menschen umgeht, so geht es auch mit den natürlichen Ressourcen ihrer Umwelt um. Heißt also, eine Politik, die Arbeiter*innen als Menschen respektiert, der respektiert auch den Wert der Natur und arbeitet in/mit ihr umweltschonend/schützend. So sichert dieses Miteinander ein Überleben für kommende Generationen.
- Um sozialdemokratische Politik zu machen, benötigt es eine politische Orientierung an den Werten der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wie sie in der französischen Revolution auf den Punkt gebracht wurden. Ohne die Absicht einer internationalen Umsetzung, verlieren diese Ziele national an Gewicht vor dem Gesetz bis sie schließlich ganz wertlos verhallen.
- Gesetze und eine Politik, die nicht nach bestem moralischen Wissen und Maßstab gemacht worden sind, werden den Rechtsschutz der Bürger*innen schwächen. Wenn sich der Staat als erstes selbst verteidigt und als zweites den Menschen, wird es selbst für die Bürgerinnen und Bürger dieses Staates ungerechter. Denn von da an ist der Staat und nicht der einzelne Bürger die wahre Nummer 1 in diesem Rechtssystem.
Das heißt also: wer die Würde von Menschen zum Zwecke der eigenen Besserung missbraucht, verspricht sich dadurch Vorteile, die aber nicht als gesichert gelten können. Sicher ist aber, dass man selbst an Macht einbüßt, denn auch die eigene Menschenwürde wird durch die eigene Wahl eines solchen Systems nur auf dem zweiten Platz degradiert. Eine Nation braucht keine Bäume, keine Nahrung, Kultur, Bildung oder Wissenschaft. Eine Nation braucht nur Polizei und Militär. Wenn eine Nation den ersten Platz im Rechtssystem bekommt, dann werden wir auch genau das bekommen, was eine mächtige Nation braucht. Und nicht das, was sich die Menschen, die dort leben, wünschen würden. Also Augen auf bei der nächsten Wahl.
Sei die Nummer eins. Wir sind es uns wert.
ist es offen?
Mehrheitsgesellschaften haben Menschen anhand von Merkmalen Gruppenzugehörigkeiten zugeschrieben, zum Beispiel, dass sie eine Behinderung haben, schwarz oder queer seien. Damit hat man Minderheiten als anders definiert, es wurde ihnen systematisch die Möglichkeit gestohlen eine eigene Identität zu entfalten. Ihre Persönlichkeit wurde von außen gewaltsam eingeengt.
Darüber hinaus wurden im großen Stile Kunstwerke durch koloniale Großmächte geraubt. Es handelt sich um derart viele Dinge, dass es deutschen Museen mindestens ein Jahrzehnt kosten wird, bis die Wertsachen zugeordnet und bestenfalls rechtmäßig zurückgebracht werden können.
Weiße und europäisch bekam ich schon als Kind die Möglichkeit zum großräumigen, vielfältigen Träumen. Es lässt mich optimistisch in die Zukunft blicken, egal wie schlecht es mir gerade geht. Dieses Privileg wünsche ich uns allen.
Beim Casting von Schauspieler*innen auf Diversität zu achten, ist deshalb ein Schritt in die richtige Richtung. So können sich alle alle mit einem Arzt identifizieren, oder mitfühlen wenn ein Charakter am eigenen Schicksal verzweifelt oder seinem Leben einen neuen Schwung gibt und neue Hoffnung schöpft. Kinder mit schwarzer Hautfarbe werden bei einer schwarzen Ariel mitangesprochen. Da die Hautfarbe für weiße Kinder keine Bedeutung hat, können sie sich auch mit der Hauptperson identifizieren. Eigene Beispiele aus meiner Kindheit sind Pocahontas und Mulan oder einige Jahre später „Küss den Frosch“. Es ist eine unbeliebte Notwendigkeit im Kino Minderheiten künstlich häufiger zu zeigen. Es beweist uns, dass bestimmte Rollen zwar selten sind, aber nicht unmöglich. Mehr braucht es nicht für einen schönen Traum.