Leser und Sammler

Ich bin eure Stimme

Das Mädchen, das dem Islamischen Staat entkam und gegen Gewalt und Versklavung kämpft.

von Nadia Murad

Nadia Murad ist Jesidin. Sie lebte in einem kleinen Dorf im Irak, bevor der Islamische Staat ihr und ihrer Familie abgrundtiefes Leid angetan hat.

Wenn man nicht sagen kann, ob ein sofortiger Tod glücklicher wäre als das Überleben, dann geschehen Dinge, die ein Mensch ohne Schaden und Trauma nicht überstehen kann. Es kostet alles an Kraft für die Überlebenden überhaupt noch am Leben zu sein. Nadia Murad führt ein kämpferisches Leben, nicht weil sie will, sondern weil sie muss; da ihr Leben durch die erlittene Gewalt Kämpfen bedeutet. So lebt sie, indem sie sich für andere Menschen einsetzt, als Menschenrechtsaktivistin.

Nadia Murad meinte, sie hätte sich damals so gefühlt als wäre sie in der Gefangenschaft nicht mutig genug gewesen. Allerdings weiß sie auch, dass Opfer von Gewalt sich immer wieder die Vorwürfe machen, sich zu wenig gewehrt zu haben. Deshalb erklärt die Autorin den Lesenden wie schwierig es ist, sich als Opfer von massiver Gewalt keine Selbstvorwürfe zu machen.

Darüber hinaus ist es in der jesidischen Kultur sehr wichtig als unverheiratete Frau noch Jungfrau zu sein. Viele Jesidinnen hatten Angst, dass ihre Familie sie nach dem erlittenen Missbrauch, der ihnen angetan wurde, verstoßen würde.

Auch nach einer Befreiung kommt es manchmal noch dazu, dass manche von ihnen Suizid begehen.

Die eigene Geschichte immer und immer wieder zu erzählen reißt Wunden auch immer und immer wieder auf. Trotzdem hat es sich Nadia Murad zur Aufgabe gemacht, das Sprachrohr der Opfer von Kriegsverbrechen zu sein. Dieses Buch zu schreiben und es zu veröffentlichen, hat wahrscheinlich sehr viel Kraft gekostet. Ihre Stimme steht für die vielen tausenden Opfer des Islamischen Staates und darüber hinaus auch für alle Opfer sexueller Gewalt und die Opfer religiöser Verfolgung.

Ich wünsche mir, dass ihre Botschaft an die internationale Politik erhört wird. In der Hoffnung, dass sich Geschichte nicht wiederholt.

Leser und Sammler

Unsere Körper sind euer Schlachtfeld. Frauen, Krieg und Gewalt. Christina Lamb (2020)

All I’m askin’ is for a little respect

Das Buch hört mit dem Herzen zu: es berichtet unfassbar stark von den Stimmen der Opfer größter menschlicher Grausamkeit und Brutalität.

Vor etwa zwei Jahren habe ich angefangen dieses Buch über die Vergewaltigung von Frauen als Kriegsmethode zu lesen. Es ist mit Abstand das schwerste und heftigste Buch, das ich jemals gelesen habe. Ich würde niemandem empfehlen das Buch unter Zeitdruck zu lesen. Ich habe nie mehr als ein Kapitel am Stück geschafft. Es kam ein paar mal vor, dass ich nach einem Kapitel geweint habe oder unter Schock stand. Trotzdem ist dieses Buch extrem wichtig, denn es lässt zu, dass die Opfer sexueller Gewalt in Kriegsgebieten ihre Geschichte erzählen.

In dem Buch wird deutlich, dass in Kriegen die Vergewaltigung von Frauen und Kindern ein politisch bewilligte Kriegsstrategie ist, den Gegner zu schwächen, indem das Volk strategisch traumatisiert und terrorisiert wird. Deshalb sollte die Anordnung, Förderung und Duldung von Vergewaltigung im Krieg zusammen mit chemischen Waffen und Minen auch im Krieg weltweit verboten oder bei Verstoß als Kriegsverbrechen strafrechtlich verfolgt werden.

Das Schlimmste, was Menschen einem anderen Menschen antun, ist ihn zu entmenschlichen. Wenn der Körper eines Menschen als Schlachtfeld eines Krieges verschiedener Parteien genutzt wird, erfährt dieser Körper furchtbare Kriegsverbrechen. Aber ein Körper ist mehr als ein Ort, auf dem gekämpft wird, er gehört zu einem Menschen, der versucht diesen furchtbaren Ereignisse zu verarbeiten. Wahrscheinlich leidet er darunter sein Leben lang. Kant hob das moralische Prinzip hervor, dass kein Mensch einen anderen als Ding betrachtet und seine Arbeit als Werkzeug benutzt ohne den Menschen dahinter zu würdigen und zu respektieren. Daher ist es in einem Rechtsstaat das universale Ziel, dass die Würde eines jeden Menschen unantastbar sei. Dies ist der wohl wichtigste gerichtliche Kampf, der für uns alle zählt. Mensch bleibt Mensch. Auch im Krieg und nach dem Krieg müssen Täter*innen für Verstöße gegen die Menschlichkeit zur Rechenschaft gezogen werden. Somit wäre es möglich den Opfern weltweit Unterstützung zukommen zu lassen.

Die Interviewpartnerinnen berichteten nicht nur von der sexueller Gewalt, sondern auch davon als vergewaltigte Frau in der jeweiligen patriarchalen Gesellschaft an den Rand gedrängt zu werden. Von ihnen wird in der Politik höfliches Stillschweigen erwartet um die Vergangenheit staatlich und diplomatisch zu kaschieren. Das führt dazu , dass sie so gut wie nie eine Wiedergutmachung erhalten. Die Täter werden in den allermeisten Fällen nicht einmal angeklagt. Die Opfer müssen manchmal mit den früheren Tätern im gleichen Dorf/derselben Stadt leben. Nicht über die Gewalt zu reden, die ihnen angetan wurde, stigmatisiert die Opfer abermals. Das Schweigen, das ihnen von der Gesellschaft aufgelegt wird, verhindert, eine psychotherapeutische Aufarbeitung. Anders als dem Rest der Gesellschaft, wird ihnen die Möglichkeit verwehrt mit den Verbrechen abschließen zu können. So kann es ohne weiteres dazu kommen, dass sich die Gewalt weltweit wiederholt und auch zukünftige Gewalttaten keine Hürden zu befürchten haben.

Die Welt muss eine andere gerechtere Perspektive auf Opfer von Gewalt durchsetzen. Das geht nur durch Aufarbeitung, durch Offenheit und auch durch Gerichte, die bestätigen, dass hierbei aufs Deutlichste Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt wurden und ja auch immer noch werden. Gerichtlich wird seit einigen Jahren schon versucht das Bewusstsein von Vergewaltigung als Kriegsverbrechen zu etablieren. Vereinzelt gab es gerichtlich bereits strafrechtliche Erfolge. Im großen und ganzen wird ein Vergewaltiger oder eine Massenvergewaltigung sehr selten angezeigt und noch seltener gerichtlich verurteilt.

Man könnte hier leicht den Mut verlieren, dass Menschen schlecht sind und Grausamkeiten zur Welt und vor allem zum Krieg dazu gehören. Aber dann wehren sich mutige Menschen dagegen und riskieren weitere Retraumatisierungen um der Welt zu sagen, dass wir alles tun müssen um Menschen zukünftig vor diesem Schmerz und Leid zu schützen. Gewalt darf nicht relativiert werden und es darf dem Opfer keine Schuld gegeben werden, damit es hier nicht zu einer Täter-Opfer-Umkehr kommt, die zum Leid einfach nochmal weiteres Leid hinzufügt.

Hinzusehen und zu begreifen, dass die Geschichten der Opfer keine Fiktion in einer Horrorgeschichte sind, sondern solche Gewalt real auf dieser Erde passiert, ist hart, kaum zu begreifen und schockiert heftig. Und trotzdem ist es ein Fortschritt, dass von diesen Verbrechen erzählt und gewusst wird. Wofür? Für Respekt gegenüber den Opfern und für die Verteidigung unserer Menschenwürde.

Weitere Buchtipps:

  • Zu Gewalt in Kriegs- und Krisengebieten: Von den Kriegen (2016)und Weil es sagbar ist (2015) von Carolin Emcke. In diesen Büchern wird die Gewalt weniger deutlich und ausführlich als bei Christina Lamb beschrieben. Diese Bücher haben aber auch zum Ziel, dass die schlimmste und größte Gewalt, die Menschen erlitten haben, in Worte gefasst werden muss, weil ein Schweigen immer die Täter*innen schützt und die Opfer einsam und isoliert von Hilfe alleine zurücklässt.
  • Zu sexueller Gewalt und den Anfängen der amerikanischen #Metoo-Debatte: Durchbruch. Der Weinstein-Skandal, Trump und die Folgen von Ronan Farrow (2019)
  • noch auf meiner Leseliste: Nadia Murad: Ich bin eure Stimme. Das Mädchen, das dem Islamischen Staat entkam und gegen Gewalt und Versklavung kämpft. (2017)
Leser und Sammler

Brüste und Eier von Mieko Kawakami (2020)

Wird es glücklich sein?

Karriere, Kind, Beziehungen und Gesundheit: ein japanischer Roman zu weiblichen Lebensentwürfen

Die Ich-Erzählerin Natsuko Natsume ist Anfang 30, als sie ihre Schwester Makiko und deren Tochter Midoriko zu sich nach Hause einlädt. Makiko überlegt sich die Brüste operieren zu lassen. Es wird erzählt, dass sich manche Frauen sogar die Brustwarzen bleichen, damit sie möglichst rosa aussehen. Dies ist sowohl eine schmerzhaft als auch eine nicht ganz ungefährliche Prozedur, welcher sich diese Frauen trotz allem aussetzen. Midoriko hingegen fragt sich, ob das Leben ihrer Mutter ohne sie nicht so viel besser gewesen wäre. Hier kommt zum ersten Mal die Frage auf, warum Frauen überhaupt Kinder bekommen und sie großziehen.

Hin zum zweiten Teil sind etwa 8 Jahre vergangen. Mittlerweile überlegt Natsuko selbst ein Kind zu bekommen. Ihre Schwierigkeit dabei ist, dass sie weder eine feste Beziehung zu einem Mann, noch Sex haben möchte. Sie recherchiert und findet im Internet verschiedene Möglichkeiten zu einer Samenspende zu gelangen. Aber wird mein Kind auch ohne Vater glücklich sein können? Ist es selbstsüchtig ein Kind zu wollen ganz ohne Beziehungspartner*in? Was ist ihr eigentlicher Grund sich für ein Kind zu entscheiden? Und kann sie dann überhaupt noch weiterhin Kunst schaffen und großartige Bücher verfassen?

Das Buch diskutiert diese Fragen sehr aufschlussreich. Für mich war das Glücksargument besonders interessant. Hinter der Frage, ob ein Kind auch ohne Vater glücklich sein kann, steckt auch der Wunsch seinem Kind ein durchweg glückliches Leben zu bieten.

An sich ist es nicht schlecht, dem Kind das Beste zu wünschen, aber nicht alle Kinder werden ein glückliches Leben führen. Wie sehr man sich auch bemüht, liegt es nicht in der Hand einer einzelnen Person eine andere komplett mit Glück auszustatten. Die Eltern meinen es nur gut, wenn sie ihre Kinder von Trauer fernhalten wollen, nichtsdestotrotz muss ein Kind die Möglichkeit bekommen traurig zu sein oder auch wütend oder ängstlich. Es muss den Umgang mit Emotionen und Gefühlen lernen, damit es überhaupt erkennen, wann es glücklich ist.

„Ich wäre am Boden zerstört, wenn meine Tochter missbraucht wird.“ – an sich ist es ehrlich, aber: wenn das Kind Angst vor Gewalt hat, weil sonst es sonst seine Mutter ins Unglück stürzt, dann ist dem Kind angesichts aller Gewalt und Probleme, die es hat, nicht geholfen.

Ich habe das Buch auf Englisch gelesen, ich vermute aber, dass es sich auch auf Deutsch gut lesen lässt. Die meisten Charaktere in dem Buch sind weiblich. Es liest sich so als wäre man inmitten einer Diskussion unter Freund*innen.

Weitere Gedanken zum Kinderkriegen

  • die Entscheidung, ob ich ein Kind bekomme oder nicht, mache ich nicht von meinem Partner/ meiner Partnerin abhängig. Wenn ich ein Kind möchte, dann muss ich die Versorgung auch unabhängig von meiner partnerschaftlichen Beziehung stemmen können.
  • Durch meine Krankheit weiß ich, dass ich alleine nicht dauerhaft die Kraft dazu habe Kinder zu versorgen. Deshalb werde ich Hilfe von sozialen Organisationen und Freund*innen und Familie brauchen um mich zu unterstützen. Wichtiger Punkt: es ist nie verkehrt sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht, sondern es ist sehr verantwortungsbewusst.
  • Mein Kinderwunsch beruht darauf, jemanden zu versorgen, jemandem Schutz und Halt zu geben, es aufwachsen zu sehen und eine Familie zu bilden.
  • Ich habe gemerkt, dass für diese Wünsche das Kinderkriegen nicht unbedingt nötig ist. Es gibt für ich in verschiedenen Jobs, Ehrenämtern und freundschaftlichen Beziehungen auch die Möglichkeit für andere Menschen unterstützend da zu sein und sich die Familie selbst auszusuchen.
  • Die Frage, ob man Pränataler Diagnostik zustimmen würde oder nicht, hat mir sehr geholfen, mir bewusst zu werden, was Kinderkriegen überhaupt bedeutet. Eltern wünschen sich keine Behinderung für ihr Kind und auch kein Kind, dass nicht sehr lange zu Leben hat. Trotzdem kann es sein, dass genau dies passiert. Sind die Eltern dann an dem Kind interessiert, wenn man systematisch Embryonen mit Behinderung aussortiert? Geht es hier eher um ihren eigenen Wunsch eines Kinderideals, dem das Kind schon vor der Geburt entsprechen muss?

Unsere Gesellschaftsstrukturen machen es absolut nicht einfach ein Kind mit Behinderung großzuziehen. Dabei wäre Deutschland durchaus in der Lage ein Schul- und Gesundheitssystem zu kreieren, dass für alle da ist und unsere Gesundheit achtet und respektiert. Die Leistungsgesellschaft ist mittlerweile nicht nur für Menschen mit Behinderung sondern für alle Menschen stark belastend. Sie treibt uns häufig dazu über unsere körperlichen und seelischen Grenzen hinauszugehen. Viele Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an diesem zunehmenden Druck und Stress. Bei einigen bleibt dies dann chronisch. Deswegen halte ich es für den falschen Ansatz Embryonen auszusortieren, anstatt den allgemeinen Leistungs- und Perfektionsdruck zu verstärken.

Leser und Sammler

Prügel. Eine ganz gewöhnliche Geschichte häuslicher Gewalt. von Antje Joel (2020)

Heute. Morgen. Übermorgen.

Opfer von Gewalt werden mit folgendem Dilemma konfrontiert: entweder bist du nicht schuld, dann hattest du in dieser Situation aber auch keine Macht und empfindest ein Gefühl der Machtlosigkeit, oder du nimmst die Schuld einer Situation auf dich, denn dann warst du auch selbst verantwortlich, also auch handlungsfähig und daher mächtig.

Opfer von Gewalt sind weder schwach, noch sind sie durch die Gewalterfahrung stärker geworden. Opfer sein ist nicht die Identität eines Opfers, aber es beeinflusst ihre Beziehung zu sich selbst und zu anderen Menschen, Menschengruppen, oder Institutionen und allgemein der Gesellschaft. Diese Beeinflussung ist negativ, besonders das Vertrauen in unterschiedliche der genannten Beziehungen wird je nach der Art des Agressors und der Gewalterfahrung erschüttert. Ein Gefühl der Isolation, der Abschottung, Einsamkeit und des Alleinseins ist die Folge. Deswegen tut es gut sich zu solidarisieren mit Menschen, die Verständnis zeigen. Viele haben ähnliches erlebt, andere nicht. Nichtsdestotrotz zeigen einige Menschen ein Interesse am Schicksal anderer, da so ein gemeinsames Leben für alle besser ist.

„Dann gehe doch einfach, wenn er dir nicht gut tut.“

„Warum lässt du so etwas mit dir machen? Hast du denn kein Selbstwertgefühl?!“

So oder so ähnliche Sätze fallen, wenn ich Freundinnen und meiner Familie von meiner Ex-Beziehung erzählt habe. Es war gut gemeint, sie wollten mir helfen, indem sie mir vermitteln: du bist kein Opfer, du kannst dich wehren und dich selbst behaupten und bist gar nicht so schwach. Das war gut gemeint, aber stimmte nicht. Ich wurde zum Opfer in dieser toxischen Beziehung. Das heißt nicht, dass ich etwas falsch gemacht habe. Es heißt nur, dass ich nicht einfach selbstbestimmt und frei gehen kann wie es am besten für mich wäre. Daraus folgt, dass ich nicht schuld daran bin, in einer toxischen Beziehung zu leben. Der Täter und Beziehungspartner ist der Schuldige. ich gebe nicht gerne zu zu einem Opfer geworden zu sein. Es fällt leichter mir vorzumachen ich hätte genug Macht das eigene Leben selbst zu bestimmen.

Die Journalistin und Autorin Antje Joel schreibt in ihrem Buch „Prügel. EIne ganz gewöhnliche Geschichte häuslicher Gewalt.“ biographisch von den Gewalterfahrungen in ihrer ersten und ihrer zweiten Ehe. Ihre Geschichte ist leider kein Ausnahmefall. Die zugrundeliegende Statistik, dass jede dritte Frau Opfer von häuslicher Gewalt geworden ist, ist erschreckend und durch das allseitige öffentliche Schweigen schwer nachvollziehbar. Wegschauen sobald es privat wird, kann dabei nicht helfen.

Das Buch enthält ein Kapitel mit Warnhinweisen, die auf ein missbräuchliches Beziehungsverhalten frühzeitig deuten können. Diese Erkennungsmerkmale beruhen auf ihren eigenen Erfahrungen und den Erfahrungen anderer Missbrauchsopfer. Medial interessieren sich immer mehr Menschen für sogenannte Red flags in Beziehungen. Ich finde es gut, sich darüber auszutauschen und besonders jungen Menschen eigene unliebsame Erfahrungen mit auf den Weg zu geben.

Antje Joel räumt außerdem mit den psychotherapeutschen Mythen auf, die Täter hätten ein geringes Selbstwertgefühl, wären psychisch krank oder hätten schlechte Beziehungserfahrungen hinter sich. Vielmehr ist es so, dass sie für das gewalttätige Verhalten gegenüber Frauen in unserer Gesellschaft kaum mit angemessenen Konsequenzen rechnen müssen. Die bittere Wahrheit ist, dass die Gesellschaft die Paarbeziehungen und Ehen zur Privatsache erklären, in die sich von außen niemand einmischen soll.

Damit Täter nicht weiterhin von ihrem Lebensentwurf profitieren, benötigt es Beziehungsaufklärung: Menschen, die beschreiben, was ihnen als Opfer angetan wurde, wie die Täter es immer wieder geschafft haben ihm die Schuld zu geben und sein Umfeld für sich zu gewinnen, es damit gegenüber allen anderen zu isolieren und zu entmächtigen. Die Wahl eines bestimmten Partners kann schlecht für einen sein. Deswegen ist jedoch niemand und schon gar nicht der eigene Partner dazu berechtigt mir seelische und körperliche Gewalt zuzufügen. Nicht nach 5 Minuten und auch nicht nach 25 Jahren.